Wanderlust
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Vom Reisen und der Balance

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Warum fällt es nur so unglaublich schwer, mit dem Leben, für das ich mich entschieden habe zufrieden zu bleiben? Dass unsere Generation Y eine suchende ist, schreien die Krähen von jedem Dach. Alle Türen scheinen unverriegelt, man muss nur die richtige probieren. War es die falsche, hey, kein Problem, einfach nächste Tür öffnen! Echt jetzt? So einfach? Mitnichten.

Unendlich erscheinende Möglichkeiten sind toll, aber ständiges Perfektionieren, Hinterfragen und Vergleichen nehmen jeden Halt. Der ‚Sinn des Lebens’, die ‚Balance’, so große Wörter, sollen Abhilfe schaffen und werden gefunden, hinterfragt, aufgegeben, aufs Neue gefunden. Mir fällt es manchmal schwer, meine Balance im Alltag zu behalten. Ich arbeite viel und gebe auf der Arbeit viel. Am Abend bin ich oft erschöpft. Da bleibt kaum Zeit für anderes außer Arbeit. Ich mag meine Arbeit, aber ich mag auch so vieles anderes. Alles andere muss, seit ich vor fast drei Jahren angefangen habe festangestellt zu arbeiten, hintenanstehen. Ist es das was ich immer wollte? Heißt, eine Karriere haben, die anderen Leidenschaften einzutüten für später? Ist das genug? Macht es mich glücklich? Muss ich überhaupt nur das tun was mich glücklich macht? Oder reicht es auch, meine Miete, ab und an neue Kleidung und Biolebensmittel bezahlen zu können? Wie wichtig sind meine Luxusprobleme im Vergleich zu wirklichen Problemen, keine Wohnung oder Arbeit haben, krank sein oder seine Lieben verlieren. All diese Fragen gehen in meinem Alltag unter und sind auf Reisen präsenter. Sie schleichen sich in meine Gedanken während ich mit alten und neuen Freunden plaudere, auf Bus- Bahn- oder Bootsreisen aus dem Fenster schaue und wenn ich aus der berühmten comfort zone ausbreche. Reisen, und da reicht schon ein Wochenende in Hamburg, bringen mir nicht unbedingt Antworten, aber sie werfen Fragen auf. Geben mir Zeit zu grübeln. Rücken den Kopf grade. Vor allem erinnern mich Reisen an das Mädchen, das ich einmal war und an meine längst vergessenen Träume.

Es beruhigt mich ungemein zu wissen, dass meine Balance, die zarte Pflanze, irgendwo da ist und dass ich nur kurz ausbrechen muss um sie wieder auszubuddeln, aufs Neue in den Alltag zu verpflanzen und ab und an zu gießen.

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